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 Ebro (Ebre)-Kanu-Paddel-Tour August 2013
240 km Kanutour auf dem Ebro/Ebre von Caspe nach L’Ampolla (am Mittelmeer) 

 
File:SpainEbroBasin.png
Karte aus: http://commons.wikimedia.org
 
Zur Befahrungserlaubnis (Permiso/Permit) für ein Kanu auf dem Ebro: Ich habe mir Monate zuvor die Anträge per Mail zusenden lassen. Der ausgefüllte Antrag (auf spanisch oder englisch) wird nur auf dem Postweg akzeptiert, nach 4 Wochen kam der per Einschreiben zurück.
Voraussetzung für eine Genehmigung ist eine Haftpflichtversicherung
die das Kanu einbezieht, i.d.R. die Privathaftpflicht, Angabe des Streckenabschnitts und den Zeitraum. Wer eine Paddeltour
auf dem Ebro plant kann sich gerne per Mail an mich wenden,
sende die Anträge zu!
(Die Anträge sind für alle Flüsse im Einzugsgebiet des Ebros nötig)
Für alle Binnengewässer Spaniens
ist eine kostenpflichtige (bis auf Ebro)
Befahrungserlaubnis notwendig.
http://www.kayakspainguide.com/permisos-2/


Die Anreise: Flug FR 6171 brachte uns mit 80kg Gesamtgepäck um 6h10 von Bremen nach Reus, Ankunft 8h35.
Um 9h05 fuhren wir mit dem öffentlichen Bus (2,50€) zum Bahnhof/Reus und mit der Bahn (10,95€) um 10h27
nach Caspe, dort kamen wir mit Verspätung um 13h20 an. Zuerst versorgten wir uns mit Trinkwasser, Lebensmitteln
und Gaskartuschen für die kommenden Paddeltage.
Um 14h30 machten wir uns mit mittlerweile ca.110kg Gepäck auf dem Weg zur Einsetzstelle, etwa 2.5km oberhalb von Caspe.
Bei gut 35°C im Schatten war der hügelige Weg zum Wasser eine kleine Herausforderung ;-)
Nachdem das Boot aufgebaut war und wir das Gepäck verstaut hatten starteten wir um 16h00 flussabwärts auf dem Stausee.
Die Luft stand, spiegelglattes Wasser und eine Sonne die erbarmungslos knallte, aber das kannten wir von der
Douro-Tour 2012 schon und sollte uns nicht abschrecken unser Ziel zu erreichen.
Geplant war in 6 Tagen mindestens bis Tortosa (180km) zu kommen, es wurden dann 240km bis L’Ampolla (am Mittelmeer)
Streckeninfos/Umtragen: 3 große Staumauern, Portagen von bis zu 2,5km, teilweise anstrengend und schwierig,
Kanuwagen nötig. 1 mal am AKW, Schwelle die ich nicht paddeln wollte. 1 Schleuse (möglich bis 19h00),
vorher telefonisch anmelden. Es ging aber auch so, da der Schleusenwärter unglaublich nett war und sich über
deutsche Paddelgäste freute, verwickelte er uns in ein 30 minütiges Gespräch und schenkte uns noch
eine Kanukarte der letzten 50 Paddelkilometer.
Auch auf dieser Tour trafen wir auf keine weiteren Paddler bis auf zwei Kanugruppen
von jeweils 5 Booten die eine Nachmittagstour auf einem 10km langen Streckenabschnitt zwischen 2 Orten paddelten. 
 

Beim Flug von Girona nach Madrid habe ich im Frühjahr 2011 ein paar Fotos vom Ebro gemacht.
Unten rechts ist die erste große Staumauer unserer Strecke zu erkennen.

Noch am Anreisetag paddelten wir die ersten 15km der Strecke. Wir stellten uns schon mal auf die
sehr hohen Temperaturen ein. Das Wasser im aufgestauten Ebro war um 26°-28°C warm, prima.
Eines war schon mal wieder klar, frieren werden wir auf dieser Tour weder an der Luft noch im Wasser...


Nach 3 Stunden und 15 Paddelkilometern zum Eingewöhnen erreichten wir unser erstes Nachtlager.
Der Tag war hart genug, wir waren einfach platt. 2h45 aufstehen, kaum geschlafen, die Anreise und Hitze.
Aber... die Anfahrt mit der Bahn und die ersten Paddelkilometer in einer absolut einsamen Region, die mich in
dieser Art überraschte, waren schon fantastisch und die Vorfreude auf die kommenden Tage stieg.



Die Nacht im Zelt war heftig, bei gefühlten 40°C zu schlafen war kein Vergnügen.
Der 2 te Tag: Morgens paddelten wir früh los und nach 7 km trafen wir auf den ersten Campingplatz.
Wir versorgten uns mit weiteren Wasserflaschen, denn der Verbrauch war groß und vorläufig
bestanden keine weiteren Einkaufsmöglichkeiten.


Tagsüber entschieden wir uns regelmäßig mit Kleidung zu baden.
Durch die nasse Kleidung fiel uns das Paddeln bei über 35°C etwas leichter.


Bisher erfreuten wir uns an einer sehr heißen aber fast windlosen Paddeltour.
Das sollte sich nun ändern, von mittags an paddelten wir gegen den Wind.
Der erste Tag begann mit einer Thermik von 3-4 Beaufort und steigerte sich täglich
bis zu 5 Beaufort in Böen 6-7. Der überwiegend starke Gegenwind begleitete uns bis uns zum Mittelmeer.
Im offenen Faltkanadier bei den zuerst großen Wasserflächen eine Herausforderung.
Ich dachte nur: "Was für ein klasse Windsurfrevier".


Das 2te Nachtlager vor der ersten großen Ebro-Staumauer. Diesmal unter freiem Himmel,
da es im Zelt in der Nacht zuvor einfach zu heiß war. Stechbiester waren kaum vorhanden.


Morgens dann die erste längere Portage. Aus -und Einsetzen auf der rechten Seite.
Nach dem Aussetzen ging es erst mal bergauf und oberhalb des Staudamms über eine Schotterpiste
vorbei am Staudamm und etwa 1km dahinter wieder zurück über eine Teerstraße. Der Höhenunterschied
des Wasserstands beträgt etwa 30m an der Staumauer. Der Höhenunterschied der Portage deutlich mehr.
Ein Vorgeschmack auf weitere schwierigere Portagen.


Nach dem Einsetzen erwartete uns schon ein leichter Gegenwind von 2-3 Beaufort


Am späten Vormittag begann dann wieder der Kampf mit den Naturkräften und diesmal ging es richtig zur Sache,
6 Beaufort Gegenwind, 38°C im Schatten.
Als erstes verabschiedete sich unsere spanische Gastlandflagge, der konnte ich nur noch hinterher sehen.
Vor uns lag nun ein 10km langes Stück, anlanden unter den Bedingungen unmöglich.
Ohne viel Kondition, Starkwind -und Wassersporterfahrungen wäre es hier nicht mehr weiter gegangen.
Die Fotos lassen das nur erahnen. Es stemmte sich uns
eine gewaltige Wasserkraft und eine Welle von knapp 1m Höhe entgegen.
Mein Ally Tramp 15 passte sich den Wellen an, das Kanu bog derartig stark durch das ich mich bis
heute wundere das kein Alurohr brach.
Von Steifigkeit des  Faltkanus war nicht mehr so viel zu spüren und nach dem Abbau erkannten wir etliche verbogene Aluteile.
Trotz allem waren das ein paar abenteuerliche Stunden und bereiteten mir als ehemaliger Windsurffreak
auch viel Spaß. Am heutigen Tag schafften wir auch nur 25km. 10 Paddelstunden, davon 8 gegen Starkwind,
mit einer Pause in einer windgeschützten Minibucht.

 

Abends erreichten wir den Campingplatz (www.welsangeln.de/) der etwas flussaufwärts im
"Riu Mattaranya" liegt und verbrachten dort die 3te Nacht.
Das erste kühle Bier auf der Tour und eine Mahlzeit im Restaurant.
Der deutsche Wirt servierte uns etwas aus seiner Berliner Heimat ;-) Egal... der Hunger war groß.
Das Zelt ließen wir gleich eingepackt und schliefen wieder unter einem großartigen Sternenhimmel. 



Am nächsten Morgen erwartete uns schon nach wenigen Kilometern die 2te große Staumauer.
Aussetzen rechts vor der Mauer, dort befindet sich ein großer Picknickplatz, danach den Schotterweg hoch zur Staumauer.
Die Mauer überqueren und nach ca. 1,5km, also auf der linken Seite wieder einsetzen.
Die Einsetzstelle haben wir lange suchen müssen. Zuerst haben wir es auf der rechten Seite der Mauer versucht,
das geht erst nach einigen Kilometern an der Brücke. Unsere Einsetzstelle auf der linken Seite befand sich am Ende
einer abgesperrten Schotterpiste. Am Fluss mussten wir uns noch einige Meter durch Gestrüpp schlagen.


Ein paar Kilometer hinter der 2 ten Staumauer liegt auf der Backbordseite ein C-Platz.
Dort machten wir noch mal eine Pause bevor wir die 3 te Staumauer kam
und verzerrten ekelige Mettwurst und Brot.


Nach etwa 100 Paddelkilometern erreichten wir die 3te Staumauer bei "Flix", vorher paddelten
wir knapp 10 km gegen "die Hölle", denn das sich der Gegenwind noch steigern kann war kaum zu glauben.
Vor Flix entsteht in der Sommerthermik anscheinend eine richtige Düse, die Böen erreichten 7 Bft.
Kaum zu fassen das wir die Aussetzstelle direkt an der Staumauer erreichten
(Aussetzen rechts, kleine steile Steinböschung hoch zur Straße), oben gönnten wir uns ein Bier und ein großes Eis.
Einsetzstelle: Über die Staumauer laufen und nach 100m einsetzen, das ging ganz gut!



Bevor sich abends der steife Wind legte durften wir noch mal ordentlich Energie verbrauchen.
Der Tag wurde also noch härter als der Vortag, hinzu kamen 3 Portagen und nicht zu vergessen
die Außentemperaturen von 35°-39°C im Schatten.
 Erstmals dachte ich, das ist ja eine echte Strapaze, aber eine total klasse Paddeltour die ich immer wieder so machen würde!!!
 Größten Respekt hatte ich vor meinem Paddelpartner der bei weitem nicht so trainiert ist und das alles mit machte,
die Sommertour 2014 kann also kommen ;-)
Landschaftlich war ich bisher schwer beeindruckt, keine Bebauung der Ufer, so gut wie keine Motorboote,
ein sehr fischreiches Gewässer und unendlich viele Wasservögel, vor allem Reiher, weiter zu sehen Geier, Milane und Adler.
Eine tolle einsame Flusslandschaft.


Am AKW, die letzte aber kurze Portage auf der linken Seite, schwierig.
Die sehr steinige Schwelle wollten wir nicht paddeln. Ein paar Kilometer weiter unser 4tes Nachtlager.
Achtung: R.W. aus Madrid schrieb mir im Nov14, dass er am AKW per Lautsprecherdurchsage aufgefordert wurde, zurück zu paddeln.
Vermutung: Sicherheitsgründe, der Wasserstand war niedrig und es sprudelte viel Kühlflüssigkeit aus den Rohren.
Am AKW versuchen etwas vorher auszusetzen.

Am nächsten Tag paddelten wir dann durch die Mittelgebirgslandschaften des 
"Parc Natural Els Ports" und Serres de Cardó-el Boix
auch das war sehr schön!



In Mora Debre besteht Möglichkeit in einem Cafe am Fluss zu sitzen, schöne Abwechslung.
Ein Paddler einer kleinen Gruppe (10km Nachmittagstour). Erstmals war es bewölkt, aber nach wie vor sehr heiß.

 
 

Die einzige Schleuse (Casa de L'Assut)  der Strecke befindet sich bei Presa de Serta. Wer auf die Schleuse zu steuert,
ganz rechts in eine Art Kanal einpaddeln, die eigentliche Schleuse befindet sich erst nach 200m am Ende.
(Schleusen von 9h00 bis 18h30 von April bis Oktober, besser vorher anrufen: +34 977 47 31 58)
Das letzte "Hindernis" vor dem Mittelmeer.
Der unglaublich freundliche und hilfsbereite Schleusenwärter wird uns lange in Erinnerung bleiben.

Unser 5 tes Nachtlager auf einer Flussinsel, etwa 10km vor Tortosa


Kurz vor Tortosa veränderte sich die Landschaft wieder. Das Ebro-Delta naht.
Unsere permanenten Begleiter bis ins Delta waren die Reiher, Anzahl und Häufigkeit der Begegnungen
übertrafen alles was ich bisher sah, einfach fantastisch.
Woh, heute nur noch ein leichter Gegenwind von 1-2 Bft und zeitweise eine gute Strömung.


Tortosa, nun lagen 180 Paddelkilometer hinter uns. Die Ortsdurchfahrt war relativ ansprechend.
Bis zum Mittelmeer waren es noch 45km und auch hier keine Motorboote und schon gar keine Paddelboote in Sicht.



Das Delta mit einer großartigen Vogelwelt.
Heutige Tagesstrecke 55km, wir paddelten bis zur Mündung.

Eine letzte Pause im Cafe am Flussufer, bevor wir abends das Mittelmeer erreichten.


Nach 225 km auf dem Ebro waren wir an der Flussmündung angekommen.
Am Sandstrand suchten wir uns in den Dünen ein Nachtlager.
Der Sternenhimmel war ja großartig, aber im aufgeheizten Sandstrand zu liegen ein Albtraum.
Von unten kam die Hitze und von oben nachts die Feuchtigkeit, das war nicht so meine Welt ;-) 



Morgens dann die letzten 15 km übers offene Meer bis nach L'Ampolla.
Der Wind erlaubte die Tour und die Wellen beschäftigten uns wenig.
 


Nach 240km Paddelkilometern im Hafen angekommen.
Bei Windstille und 38°C im Schatten fühlten wir uns in der prallen Sonne etwas ausgebremst.
Nach einem kühlen Drink liefen wir mit dem Gepäck zum Bahnhof, der zum Glück nur 1km entfernt lag.
Von dort fuhren wir über Tarragona zurück nach Reus.



Die letzte Nacht verbrachten wir im Hotel in Reus. Vom Hotel ging es morgens um 6h30 mit dem Taxi zum Airport.
Am Vorabend genossen wir ein Glas Rotwein auf dem Marktplatz der hübschen Altstadt.

 
FAZIT: Landschaftlich zweifellos eine großartige Tour.
Was mich sehr beeindruckt hat war der über 100km lange aufgestaute Streckenabschnitt
des Ebros mit seiner vielfältigen Vogelwelt und völlig urwüchsigen und unberührten Uferregion, das hatte ich so nicht erwartet.
Unter Anglern ist der Ebro bestens bekannt, ein ideales Revier um einen Wels an den Haken zu bekommen.
Paddeltechnisch war diese Tour im Sommer durch die starken thermischen Winde eine Herausforderung,
auch die Portagen haben so ihre Tücken, sind aber machbar.
Wir hatten insgesamt 80kg Gepäck mit, Sportgepäck (Kanu inkl. Paddel 20kg), 2 Säcke a 20kg und 2 Säcke a 10kg).
Während der Portagen war die Verteilung wie folgt: Kanu auf den Wagen inkl. einem 10kg Sack, einen 20kg Sack auf meinem Rücken.
Mein Paddelpartner trug ein 20kg-Sack auf dem Rücken und einen 10kg vor der Brust. So bekamen wir alles mit,
allerdings war das bei der Hitze mühsam. Unsere Tour erforderte eine gute Kondition bzw. sportliche Fitness und Kanuerfahrung.
Bei 35°-39°C im Schatten und dem Gegenwind war das im offenen Kanadier eine besondere Anstrengung, die sich aber total gelohnt hat!
Im September 2014 wird es voraussichtlich auf den nächsten großen Fluss der iberischen Halbinsel gehen.