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Kanu-Tour auf dem Rio Guadiana, August 2015
"Rio Guadiana und Alqueva Stausee"
Startpunkt: Badajoz/Spanien bis Mertola/Portugal (215km)

Die Karten/Seite wurde 08/2017 aktualisiert.

Flug FR 3028 brachte uns samt Gepäck (85kg) von Bremen nach Madrid.
Mit einem Leihwagen fuhren wir ins 400km entfernte Badajoz, zuvor versorgten wir uns in Madrid mit Lebensmitteln und Gaskartuschen. Um 0:30 Uhr kamen wir in der Nähe der Einsetzstelle an und verbrachten die Nacht auf den Vordersitzen des Nissans. Morgens um 9:00 Uhr brachte Heiko den Leihwagen zur Autovermietung in die Stadt und lief die 4km zurück zur Einsetzstelle. Ich baute derweil das Kanu auf und begrüßte die Ortspolizei, die am Flussufer nach dem Rechten sah.
 

Die Einsetzstelle befindet am Stadion von Badajoz, etwa 500m entfernt an einer Staumauer.
Sonntagmorgens um 11h00 paddelten wir los, bei einem Sonne/Wolkenmix und "nur" 26°C. An den darauffolgenden Tagen stieg das Thermometer auf 32-38°C, einmal bis auf 40°C.

Es wurde eine landschaftlich großartige Tour, die an Einsamkeit und Wildheit  unsere letzten Touren auf der iberischen Halbinsel noch etwas übertraf.  


Gleich zu Beginn verengten etliche Inseln den Fluss, es war nicht immer sofort klar wo wir lang paddeln mußten.


An den ersten beiden Paddeltagen legten wir etwa 80km zurück, bei den "geringen" Temperaturen wollten
wir etwas Strecke machen, da die schwierigen Abschnitte noch vor uns lagen.


 

Schon am ersten Nachtlager leerten wir abends unsere einzige Flasche Wein ;-)
Die Strecke war sehr vielseitig, einige kleine Umtragestellen bereiteten uns wenig Mühe.
Hier war schon der Rückstau des Alqueva-Damms zu erkennen.


Beim Start in Badajoz erfreute uns eine Wolkendecke am Himmel, die erst nach 1,5 Tagen aufbrach, danach
knallte die Sonne erbarmungslos.

Leider fehlte uns die Zeit die Burg von Fortaleza de Juromenha anzusehen.

Der Stausee wurde nun langsam breiter und die obligatorische Thermik war nicht vorhanden, prima.
Kein Boot oder Mensch soweit das Auge reicht, spiegelglattes Wasser, großartig :-)
An einem Olivenbaum verabschiedete sich spanische Gastlandflagge,
war ja nun auch nicht mehr notwendig ;-)


Am späten Nachtmittag erreichten wir ein Restaurant etwas unterhalb von
"Castelo de Monsaraz", auch diese Burgenstadt sahen wir uns nicht an, werde ich nachholen!
Im Restaurant schlugen wir zu ;-) es war saulecker.
 

Ein paar Kilometer weiter unser 2tes Nachtlager. Wir waren abends ziemlich KO, Tagesetappe, 50km.
Im Hintergrund ist die Straßenbrücke der N 256 zu erkennen.


Nach einer sternenklaren Nacht wurde es am 3ten Paddeltag richtig heiß, aber das kannten wir aus den Jahren zuvor schon. Der Himmel konnte einfach nicht blauer sein, fantastisch.


Der ruhige Stausee faszinierte uns immer mehr und wieder kein Mensch oder Boot weit und breit,
total klasse.


Inseln zum Übernachten gab es so einige. Das Paddeln hatte trotz Hitze etwas zauberhaftes, einfach genial!

 

Nach etwa 135km und 3 anstrengenden Paddeltagen, lag die auf den ersten Blick, unscheinbare Staumauer von Alqueva vor uns. Die Strecke über den Stausee war erstaunlich abwechslungsreich. Viele Inseln und Seitenarme unterbrachen regelmäßig die große Gesamtfläche.


Wer sich auf die Staumauer stellt erkennt aber die wahren Ausmaße der fast 100m hohen Mauer, die einen knapp 100km langen Stausee hält, den größten Europas.


http://de.wikipedia.org/wiki/Alqueva-Stausee

  Wir setzten nicht direkt an der Staumauer aus, was links an einer Marina oder noch etwas weiter an einer natürlichen Ausstiegstelle problemlos möglich gewesen wäre, sondern paddelten rechts in einen Seitenarm nach Alqueva. Nach ein paar Kilometern erreichten wir eine Straßenbrücke etwa 1 km vom Ort entfernt.
Achtung: Einsetzen unterhalb der Staumauer nicht möglich!

 

  Zum Ort geht es bergauf, puh, bei über 35c mal wieder kein Vergnügen. Am Kirchturm gibt es eine Dorfkneipe
und rechts davon ein Restaurant, das Essen dort ist wirklich zu empfehlen.
Dort lernte ich den netten Bürgermeister von Alqueva kennen, der würde sich sehr über mehr Touristen im Ort freuen ;-)

Wir hatten folgendes geplant:
Im Ort übernachten und uns morgens mit dem Taxi zur Einsetzstelle, etwa 12km
weiter flussabwärts bringen lassen. Ich sah mir den Ort im Oktober 2014 an und suchte damals schon nach einer geeigneten Einsetzstelle.

  Im Ort befindet sich ein Taxistand, aber natürlich kein Taxi ;-)
Wir nahmen es ziemlich gelassen und tranken ein paar Bierchen bei der Hitze.
Die junge Wirtin erzählte uns nach einiger Zeit, dass hier nie ein Taxi steht und auch keines herkommen würde. Ich fragte nach einer privaten Transportmöglichkeit. Sie gab uns den Tipp im Restaurant nebenan zum Essen zu gehen und den Wirt zu fragen ob er eine Idee hat wie wir zur Einsetzstelle kommen.
Der war sehr nett und bot uns an eine Fahrgelegenheit mit seinem Pickup am kommenden Morgen an.
Das war uns 50 € wert, einer seiner Mitarbeiter holte uns überpünktlich morgens am Hostel ab, perfekt!

Der war Fahrer war ganz fasziniert von unser Tour und brachte uns zu einer anderen Einsetzstelle
als geplant, die war genial und lag gefühlt im Nirvana.

20km nach dem großen Alqueva-Staudamm folgt ein weiterer Damm. Ich habe dort leider keine Fotos gemacht, schlichtweg vergessen. Vor dem Damm rechts aussetzen, die Straße hoch und weit hinter dem Damm über eine Schotterpiste wieder runter zum Guadiana. Das ist relativ anstrengend, aber machbar! Rechts ist der Damm zu sehen, von der Straßenbrücke der N 258 aus.


   
   

  An der schönen Einsetzstelle wurden wir von der Sonne vorgewärmt!


  Tja... und jetzt begann die Abenteuer-Tour erst richtig. Die kommenden Herausforderungen
hatten es teilweise in sich :-()
Die landschaftliche Szenerie..., boah! Großartige Tour bisher!

 

  Die sogenannten "Schwarzen Schweine" kühlten sich im Flusswasser ab.


 Das Wasser unter dem Kiel wurde immer weniger. Es wurde nun spannend, da wir uns tief in der portugiesischen Wildnis befanden und es weit und breit keine Aussetzmöglichkeit gab.

  Regelmäßig legten wir auf den Felsinseln Teepausen ein, sorgen bereitete uns etwas der abnehmende Wasserstand.
Das Flusswasser war übrigens etwa 26-28c warm, das lernten wir noch zu schätzen ;-)

  Vorerst paddelten wir weiter, der Wasserstand hielt sich auf geringem Niveau.
Am Flussufer befinden sich viele alte Wassermühlen.

  Der Fluss wurde teilweise sehr flach und wild und so etliche Male verließen wir das Kanu, da sich viele teilweise tückische Felsen im Flussbett befanden.

  Es gab aber auch etliche spannende Stellen die wir mit dem Kanu runter fuhren.
Hauptproblem des Streckenabschnitts waren die eher zu geringe Wassertiefe und Steine im Flussbett.

  Es war ein stetiger Wechsel von schmalen und breiten, sowie flachen und tieferen Flussabschnitten.
2 Tage lang pure Wildnis, wir trafen auch auf keinen Menschen. Es gab auch keine Schotterpiste an der wir im Notfall hätten aussetzen können.

 Reiher und andere Wasservögel am Fluss waren unzählbar.
Beim Wildzelten an die Rinder denken, teilweise echte Brocken von Stieren die da halbwild herumlaufen.
Auf dem Foto eher die gemütliche Fraktion.

  Noch etwas erfreuliches während dieser Tour, erstmals kein Gegenwind auf der iberischen Halbinsel.

  Beeindruckend wie sich stets der Fluss und die Landschaft änderte, das überraschte uns in dem Ausmaß.

  Nach einem langen und harten Paddeltag erreichten wir erst spät abends eine geeignete Übernachtungsstelle, unter der N 260. Die alte Eisenbahnbrücke hatte ausgedient.


  Am nächsten Tag paddelten wir weiter durch die abwechslungsreiche Wildnis,
vorbei an etlichen alten Wassermühlen und kleinen Paddelherausforderungen.
 

  Das sah häufig harmloser aus als es wirklich war ;-)  größte Gefahr die Steine unter Wasser.
Das warme Flusswasser trug noch deutlich zur Abkühlung bei.  

   Die Kühe genossen sichtlich eine Abkühlung im Fluss, die brauchten wir auch mehrmals täglich ;-)

  Tja... einfach schön hier, aber erreichen wir Mertola, wie entwickelt sich der Wasserstand?

  ... hier war es nun soweit. Paddeln aufgrund der Wassertiefe und vieler scharfkantiger Steine vorerst nicht mehr möglich.

  Auf einem Streckenabschnitt von etwa 1 km treidelten wir. Teilweise entluden wir das Kanu und hoben es über die Steine. Hier leider nicht so zu erkennen, aber es wurde schwierig :-(
Untiefen im Wasser erschwerten das noch.

  Bald hatten wir wieder genügend Wasser unterm Kiel und es ging weiter durch dieses
total einsame Paddelparadies.
Der Wasserfilter war im Dauereinsatz.

  ... und wieder kam ein Abschnitt zum Treideln, aber es ging voran :-)
Das warme Flusswasser erleichterte die Situation deutlich.
 

  Wir näherten uns dem Nationalpark Vale do Guadiana.

  In der Felsenlandschaft dauerte es etwas ein geeignetes Nachtlager zu finden.


  Wir entdeckten einen wunderschönen Platz, ein paar Meter
oberhalb der Wasserlinie, wow!
 
Ein großartiger Platz! Nachts umkreiste uns eine Rotte Wildschweine.


  Abends am Lager erholten wir uns von der Knochenarbeit und Hitze.

  Der kommende Morgen startete gleich mit einem weiteren spektakulärem Abschnitt.
Die Paddeltour war einfach fantastisch und nach wie vor trafen wir auf keinen einzigen Menschen!

  Wir näherten uns dem Pulo do Lobo.

  Kurz vor dem Wasserfall noch ein paar ruhigere Abschnitte.

  Dann wieder wurde es einfach zu eng und gefährlich. Umtragen war angesagt.

  Die letzte größere Herausforderung vor dem PdL.
 

  Hinter uns lag nun eine fantastische Paddeltour und vor uns der Pulo do Lobo
und hier ist definitiv erst einmal SCHLUSS und AUSSETZEN angesagt.
Der PdL ist nicht befahrbar, hier fällt der Guadiana in eine Felsenschlucht.
Ein Einsetzen hinter dem PdL ist auf viele Kilometer nicht möglich!

Ich habe noch eine Idee bezüglich einer Portage am PdL. Wer sich dafür interessiert,
kann mich gerne per eMail anschreiben.


Wichtig: Vor dieser Staumauer rechts aussetzen!

Danach droht der PdL und fällt in diese großartige Schlucht, es geht 20m in die Tiefe!


Der PdL befindet sich im mitten im Nationalpark Vale do Guadiana und
 ist nur über eine steile Schotterpiste zu erreichen oder vom Norden her mit dem Kanu ;-)


Wir bauten nach einer tollen und abenteuerlichen Tour das Kanu zusammen und packten unsere Klamotten ein.
Nach anstrengenden 200km war hier vorerst das Ende unserer Tour erreicht.


An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei Johan aus MERTOLA bedanken, Johan holte uns mit seinem Pickup hier am PdL ab und brachte uns am nächsten Tag nach Mertola.
Vorher vermittelte er uns noch ein Übernachtungsquartier und
lud uns in seine Traumvilla zum Essen ein.
Ein Dank auch an das Portugalforum!
Einfach SUPER!

Mertola ist etliche Kilometer entfernt, wer sich von einem Taxi hier abholen lassen möchte,
 sollte das vorher telefonisch klären. Vielleicht wäre das möglich.

Die Region und Piste zum PdL ist in Privatbesitz.
Es ist aber erlaubt die Schotterstraße zum PdL zu befahren.




In Mertola
Die Planung sah eigentlich noch vor, die 70km weiter bis zum Atlantik zu paddeln. Wir hatten noch 2 Tage, wäre also machbar gewesen. Ab hier ist der Guadiana schiffbar und ein Tidengewässer. Die Strecke kannte ich teilweise von meiner Tour im Herbst 2014. Wir entschlossen uns aber aufgrund der hohen Temperatur einen Tag Pause einzulegen.


Am letzten Tag ging es noch mal richtig aufs Wasser, 40km durch den Nationalpark bei fast 40c und die letzten 15km gegen den Wind, da war er endlich... und auch noch gegen die Tide, das war hart :-/
Aber GROßARTIG :-)

  

Im Nationalpark schien die Luft zu GLÜHEN vor Hitze.


Leider kamen wir nicht bis zum PdL, die Schlucht wird sehr eng und irgendwann ein paar hundert Meter vorher unpassierbar.

Die Gesamtstrecke die wir paddelten lag bei etwa 240km.
Badajoz - Atlantiküste etwa 280km.

 

Am vorletzten Urlaubstag nahmen wir den Bus von Mertola nach Lissabon (Ticket 16,80 €) online vorbuchen, der Bus war voll!) Eigentlich schließt das Ticket nur ein Gepäckstück von 20kg ein. Der Busfahrer nahm unsere 85 Kg gelassen entgegen und verstaute alles. Am Busbahnhof in Lissabon angekommen fuhren wir mit dem Taxi zum Hotel und genossen noch einen halben Tag die schöne Stadt. Am darauffolgenden Morgen brachte uns ein Taxi zum 4 km entfernten Terminal 2 des Airports Lisboa.

 

Fazit:
Ganz einfach, das war eine traumhaftschöne und abwechslungsreiche Paddeltour.
Unterwegs trafen wir auf keine weiteren Paddler. Auf dem Stausee sahen wir je ein Motor -und Segelboot.
Unglaublich wie wenig dort los ist, ganz nach meinem Geschmack :-)))
Das war meine vierte Paddeltour auf der iberischen Halbinsel, aber diese Tour hatte ihren ganz besonderen Charme. Vom Abenteuerwert -aber auch von den Herausforderungen her, die wohl Anspruchsvollste.
Und nächstes Jahr folgt eine weitere Tour dort unten. Im Juli werden wir uns wieder in den Flieger setzen, es gibt noch viele einsame Strecken in Südwest-Europa zu entdecken.

Tipps:
Ein Auto oneway zu buchen ist i.d.R. teuer, es ist preiswerter das Fahrzeug für 3 Tage zu buchen, auch wenn es nur ein paar Stunden oder einen Tag benötigt wird. Bei der Anmietung immer nachfragen ob das Fahrzeug ohne Zusatzkosten außerhalb der Öffnungszeiten abgegeben werden kann bzw. ob eine keybox vorhanden ist.
Alternativ: Ist eine Busanreise von Lissabon, vermutlich auch aus Madrid möglich und zu empfehlen!

Wer zu regenreicheren Zeiten auf dem Guadiana unterwegs ist, sollte an den höheren Wasserstand denken und an die viel größeren Wassermengen die an den Stromschnellen abfließen werden. Der Guadiana verlor über 200m an Höhe auf unserer Strecke. An einigen Stromschnellen dürfte es teilweise ganz schön zur Sache gehen.